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„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“ (Teil 1)

Immer wieder wird behauptet, dass FINIG zu einem Vermögensverwaltersterben führen wird. Der zusätzliche administrative Aufwand durch die prudenzielle Aufsicht übersteige die Kapazitäten von unabhängigen Vermögensverwaltern. Doch wie viel Wahrheit steckt in diesem Argument? Ein Blick ins Ausland, wo die entsprechenden Regulierungen bereits eingeführt wurden, gibt Antworten.

Nach FIDLEG und FINIG drohe ein Finanzplatz ohne unabhängige Vermögensverwalter, der von Banken dominiert werde und dem Kunden jegliche Wahlfreiheit wegnehme, so die Gegner der beiden Gesetze. Eine vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) durchgeführte und von uns unterstützte Studie zeigt, dass die unabhängigen Vermögensverwalter selber ähnliches befürchten. So glauben 91.1% der befragten Vermögensverwalter an eine Konsolidierung des Marktes und entsprechende Einschränkung der Wahlfreiheit für den Kunden aufgrund der kommenden Regulierung.

Blick nach Europa

„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“, meinte bereits Goethe. So lohnt es sich, einen Blick nach Europa zu werfen. Heute kennen mehrere europäische Staaten Regulierungen, die wie FINIG eine prudenzielle Aufsicht über die unabhängigen Vermögensverwalter definieren. Eine empirische Betrachtung[1] des Zürcher Professors Rolf Sethe und Fabio Andreotti hat untersucht, wie sich die staatliche Aufsicht auf den Vermögensverwaltermarkt ausgewirkt hat.

Für Frankreich und Liechtenstein zeigt die Analyse keinen Einbruch der Anzahl unabhängiger Vermögensverwalter. In Liechtenstein lässt sich sogar ein positiver Effekt aufgrund der Zuwanderung ausländischer Vermögensverwalter ausmachen. In Grossbritannien konnte anfänglich eine Abnahme festgestellt werden. Anschliessend stabilisierte sich der Markt jedoch und wächst seither.

Auch bezüglich der Assets under Management (AuM) deuten die Zahlen daraufhin, dass der Markt keineswegs einbrach. In den untersuchten Ländern lässt sich ein Wachstum der AuM beobachten – die befürchtete Verschiebung von unabhängigen Vermögensverwaltern hinzu den Banken fand nicht statt. Diese Länder scheinen zu zeigen, dass die prudenzielle Aufsicht nicht zwingend zu einer Marktkonsolidierung führen muss. Doch von FIDLEG- und FINIG-Gegnern wird oft das Beispiel Deutschland angeführt. Und tatsächlich scheinen die Erfahrungen aus Deutschland die Argumentation der Gegner zu stützen.

Vermögensverwaltersterben in Deutschland?

In Deutschland hat sich anders als in den übrigen untersuchten Ländern die Anzahl unabhängiger Vermögensverwalter gemäss Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen innerhalb eines Jahres nach Einführung der entsprechenden Regulierung (KWG) halbiert. Auf den ersten Blick unterstützt dies die in der Schweiz gehegte Befürchtung, dass die neue Regulierung zu einem Vermögensverwaltersterben führen wird.

Bei genauerer Betrachtung muss diese Erklärung, die auch in den Schweizer Medien sehr beliebt ist, hinterfragt werden. Letztlich misst das deutsche Bundesaufsichtsamt nur die Anzahl vergebener Lizenzen. Dementsprechend kann für Deutschland lediglich nachgewiesen werden, dass die Anzahl der Lizenzen abgenommen hat. Wie die Anzahl Lizenzen und die Anzahl Vermögensverwalter im Verhältnis stehen, diskutieren wir in unserem nächsten Blogbeitrag.

 

[1] Droht das Aussterben der unabhängigen Vermögensverwalter, Schweizer Juristen-Zeitung 2015/15 (https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/41581.pdf)

06.10.2016