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Wertschöpfungsketten überprüfen

Die neue Finanzmarktregulierung der Schweiz bringt höhere administrative Aufwände für Vermögensverwalter. Für einen Sektor, der zu einem grossen Teil aus Kleinunternehmen besteht, stellt dies eine grosse Herausforderung dar. Zäsuren, wie sie das FIDLEG mit sich bringt, sind der richtige Zeitpunkt die eigene Wertschöpfungskette zu analysieren und zu entscheiden, welche Kerntätigkeiten ein Eigenleistung erbracht und welche Aufgaben outgesourced werden sollen.

FINIG und FIDLEG werden insbesondere wegen den zusätzlichen administrativen Anforderungen kontrovers diskutiert. Für unabhängige Vermögensverwalter stellt sich dabei immer wieder die Frage: Wie schaffe ich das alles? Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ), unterstützt von UBS, BDO, Reuss Private und VQF, hat sich deshalb im Rahmen einer Studie mit den Auswirkungen der neuen Regulierung auf Vermögensverwalter und deren Strategien damit umzugehen, befasst. 

Bereitschaft zum Outsourcing variiert

Obwohl viele Vermögensverwalter durch die zusätzlichen Erfordernisse unter Druck geraten, wird Outsourcing bisher nur begrenzt als Lösung wahrgenommen: 40% der Befragten sehen keine Prüfung von Outsourcing-Optionen vor. Die Vermutung liegt nahe, dass in der Vermögensverwalterbranche der Druck zur sukzessiven Überprüfung der Wertschöpfungsketten bislang klein ist. Ein Blick in teilindustrialisierte Dienstleistungszweige der Industrie zeigt, wohin der Weg führt: Wertschöpfungsketten werden hinsichtlich der mit der Strategie definierten Kernkompetenzen verglichen. Darauf folgen Make or Buy-Entscheide. Die Organisation wird so stets auf den Markt ausgerichtet und möglichst schlank gehalten.

Zurück zur Studie: Bei den Vermögensverwaltern hängt die Bereitschaft zum Outsourcing vom auszulagernden Bereich ab. Die Auslagerung des Compliance-Prozess (46.1% der Befragten), der Schulung von Mitarbeitern (24.4%) sowie IT-Integration (23.3%) wird von einigen Unternehmen geprüft. Wenig überraschend ist im Bereich Kundenbeziehungen Outsourcing kaum ein Thema.

Prüfung Outsourcing bei Kernprozessen

Abbildung: Prüfung Outsourcing bei Kernprozessen. IFZ Studie Vermögensverwalter, 2016, S. 41.

Nur eine Momentaufnahme

Die Studie ist eine Momentaufnahme. Was die Schweiz mit FIDLEG und FINIG nun erlebt, hat Deutschland bereits Ende der 1990er-Jahre mit der Einführung des KWG und WpHG durchgemacht. Die Struktur des Marktes hat sich verändert, auf Anzahl Beschäftigte oder verwaltete Vermögen hatte dies wenig Einfluss. Mittlerweile kann unsere Schwestergesellschaft Fondsnet in Deutschland auch regelmässig kleine Vermögensverwalter und Einzelberater unter ihr Haftungsdach nehmen und damit den administrativen Aufwand für diese reduzieren. Unsere Erfahrungen in Deutschland zeigen auch, dass die Strategieanpassungen erst verzögert erfolgten, und ebenso, dass sich Outsourcing-Lösungen erst etablieren mussten, aber heute eine hohe Akzeptanz geniessen.

Die Mühlen in Bern mahlen bekanntlich langsam. FIDLEG und dessen Auswirkungen werden wohl noch ein Weile auf sich warten lassen. Doch wenn die Umfrage des IFZ in drei bis vier Jahren erneut durchgeführt wird, ist es wahrscheinlich, dass eine Mehrheit der unabhängigen Vermögensverwalter eine Aufteilung der eigenen Wertschöpfungskette und damit einem Outsourcing positiver gegenübersteht.

Fokus auf Kernkompetenzen

Längst nicht nur die Regulierung hat Auswirkungen auf den Markt. Die Digitalisierung hat und wird noch viel stärkere Veränderungen mit sich bringen. Einige Geschäftsmodelle werden weniger die Kundenbeziehung und individuelle Beratung im Zentrum haben, als mehr die effiziente Abwicklung über digitale Plattformen mit klaren Segmentierungen. Andere Geschäftsmodelle werden wie bis anhin auf der Beziehung zum Kunden und massgeschneiderten Beratungslösungen fussen. Aber auch bei letzteren wird die IT im Hintergrund eine stärkere Rolle spielen.

Die Frage lautet: Wie können diese Vermögensverwalter ihre Kernkompetenz, die wesentlich auf dem tiefen Wissen über die Bedürfnisse des einzelnen Kunden basiert, weiterhin geltend machen? Analog zu Deutschland werden sie das auch in Zukunft können, nur die Modelle werden vielfältiger: Zusammenschlüsse zu grösseren Einheiten im Partnersystem, vollständiges Outsourcing aller weniger wertschöpfenden Aktivitäten oder Anbindung als Unabhängiger an ein Haftungsdach. Gerade letzteres hat sich in Deutschland bewährt. So behalten auch Berater und Vermögensverwalter, die bei uns Outsourcing-Lösungen beziehen oder sich als Tied-Agent uns anschliessen, ihre persönliches Kundenbuch und bieten damit dieselbe Beratung wie vorhin, einfach mit administrativer Entlastung.

Denn gerade die persönliche, unabhängige und professionelle Beratung ist die Kernkompetenz eines Beraters und einer der entscheidenden Wettbewerbsvorteile gegenüber denjenigen Anbietern sein, die verstärkt Beratungsprozesse automatisieren und persönlichen Kontakt wegrationalisieren. Vor diesem Hintergrund bin ich der Überzeugung, dass Vermögensverwalter auch in Zukunft erfolgreich sein werden, wenn sie sich auf ihre Kernkompetenz die Beratung fokussieren. Doch dazu mehr in unserem nächsten Blog.

12.07.2016