Was bedeuten Fidleg und Finig für die Schweizer Vermögensverwalter?


Heute hat der Bundesrat Fidleg und Finig und die Ausführungsverordnungen per 1. Januar 2020 in Kraft gesetzt. Höchste Zeit, die wichtigsten Fragen zu beantworten.

Führen Fidleg und Finig zur Äquivalenzanerkennung durch die EU?

Leider ist wohl damit nicht zu rechnen. Neben politischen Gründen (z.B. ausstehende Diskussionen zum Rahmenabkommen) sprechen auch regulatorische Unterschiede zwischen Fidleg/Finig und Mifid gegen eine Äquivalenzanerkennung, insbesondere folgende zwei:

Mit der AO, quasi einer SRO 2.0, unterliegen Vermögensverwalter nicht direkt einer staatlichen Aufsicht. Ein ähnliches Regime kennt Deutschland für Fondsvermittler gemäss 34f Gewerbeordnung (sogenannte 34fler). Dieses wird jedoch per 2021 aufgehoben und die 34fler kommen unter die Aufsicht der Bafin. Das europäische Ausland geht also in die gerade gegenteilige Richtung. Hinzu kommt, dass bei der AO wie jener von VSV und VQF ein Konflikt zwischen Aufsicht und Interessenvertretung offensichtlich ist. Auch dies wird den EU-Staaten schwer zu vermitteln sein.

Mifid verlangt von Vermögensverwaltern, dass sie Retrozessionen an die Kundinnen und Kunden weitergeben. Anders als bei Fidleg/Finig ist es nicht möglich, dass die Kundin oder der Kunde darauf verzichtet.

Es ist vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich, dass die Äquivalenz anerkennt wird. Die EU-Staaten haben kein Interesse daran, dass «ihre» Vermögensverwalter in die Schweiz abwandern, um von der lascheren Regulierung zu profitieren und von hier aus die Kundinnen und Kunden in Deutschland, Frankreich etc. zu betreuen.

Warum braucht es noch Fidleg und Finig? War die Äquivalenzanerkennung nicht das Ziel?

Fidleg und Finig sind nach den vielen Anpassungen nicht auf europäische Kunden respektive die Äquivalenz ausgerichtet, sondern auf inländische Kunden sowie den Schutz ihrer Interessen. In diesem Sinne hat man nun eine pragmatische Regulierung, die für den Inlandmarkt durchaus Sinn macht, aber das ursprüngliche Ziel sehr wahrscheinlich verfehlt.

Dabei ist zu beachten, dass gemäss den VSV-Statistiken ein Grossteil der Schweizer Vermögensverwalter Kunden aus dem EU-Raum betreuen und bei der Betreuung ausländischer Kunden aufgrund des Lugano-Abkommens seit 2011 so oder so ausländisches Recht beachten müssen. Hier ist die abgeschwächte Schweizer Regulierung leider eine verpasste Chance.

Münden Fidleg und Finig in einer Bürokratiewelle?

Sicherlich bedeutet die neue Regulierung administrativen Mehraufwand. Die Dokumentation der Kundenbeziehung wird umfassender, da Eignung und Angemessenheit geprüft und dokumentiert werden müssen. Dieser Aufwand lässt sich aber mit Hilfe moderner IT-Lösungen effizient bewältigen.  

Die Schweiz hat zudem auf einige Regelungen verzichtet, die bei Mifid aufgrund des hohen administrativen Aufwands kritisiert werden. Dazu gehört insbesondere die Speicherung von Telefongesprächen, die auch aus Datenschutzperspektive heikel erscheint. Die Erfahrungen in Deutschland haben rasch gezeigt, dass die eigentlich simpel klingende Aufgabe der Speicherung der Gespräche mit Kundinnen und Kunden deutlich aufwändiger ist als erwartet.

Lange Rede kurzer Sinn: Die Vermögensverwalter werden von der angeblichen Bürokratiewelle keineswegs überrollt.

Kommt nun die oft angekündigte, grosse Konsolidierungswelle?

Vorauszuschicken ist, dass in der Diskussion in diesem Zusammenhang oft verschiedene Formen der Konsolidierung miteinander vermischt werden. Eine Konsolidierung, bei der sich kleinere Vermögensverwalter z.B. einem Haftungsdach anschliessen, um administrative und regulatorische Aufgaben outzusourcen, hat für den Endkunden wenig Auswirkungen. Er hat immer noch eine unabhängige Beratung und einen persönlichen Ansprechpartner. Der Vermögensverwalter profitiert von den Economies of Scales, kann aber gleichzeitig seine Unabhängigkeit wahren und der oft befürchtete «Einheitsbrei» in der Vermögensverwaltung wird abgewendet.

Gleichzeitig wird es eine zweijährige Übergangsfrist geben, die Konsolidierungswelle wird allein schon deshalb nicht bereits 2020 beginnen. Darüber hinaus sind wir der Überzeugung, dass der zusätzliche Aufwand durchaus bewältigbar ist für Vermögensverwalter – insbesondere durch Outsourcing. Insofern ist nicht davon auszugehen, dass zum Schluss nur grössere Vermögensverwalter im Markt verbleiben.